Die Rolle von Kommunikationsteams
EmpCo und die UWG-Umsetzung werden oft als juristisches oder Nachhaltigkeitsthema eingeordnet. In der Praxis landet die Arbeit aber schnell bei PR, Marketing und Kommunikation. Dort entstehen Claims, Kampagnenclaims, Pressemitteilungen, Social-Media-Posts, Bildmotive und Produktbotschaften. Und dort muss vor September 2026 geklärt werden, welche alten Aussagen noch öffentlich sichtbar sind.
Für Kommunikationsabteilungen und Agenturen geht es nicht darum, jede Aussage selbst rechtlich final zu bewerten. Der erste Hebel ist operativ: Fundstellen finden, priorisieren und so aufbereiten, dass interne Fachbereiche oder externe Rechtsberatung gezielt prüfen können.
Wo alte Greenwashing-Botschaften liegen
Kommunikationsaltlasten sind oft verstreut. Eine alte Pressemitteilung kann weiter ranken. Ein Kampagnen-PDF liegt im Downloadbereich. Ein Sharepic enthält einen eingebetteten Claim. Ein Social-Media-Post wird über Jahre geteilt. Typische Quellen sind:
- Pressemitteilungen und News aus Nachhaltigkeitskampagnen
- Blogbeiträge, Themen-Landingpages und Eventseiten
- PDF-Pressemappen, Whitepaper, Broschüren und Präsentationen
- Kampagnenbilder, Banner, Anzeigen und Social-Media-Motive
- LinkedIn-, Instagram- oder Facebook-Posts mit wiederkehrenden Claims
- Texte, die von Agenturen, Partnern oder Tochtergesellschaften erstellt wurden
Ein Freigabeprozess für neue Texte ist sinnvoll. Er löst aber nicht das Problem alter Fundstellen, die weiter öffentlich erreichbar sind.
Prüfprozess für PR und Agenturen
- Scope klären: Welche Marken, Geschäftsbereiche, Kampagnen und Kanäle gehören in die erste Runde?
- Bestand scannen: Website, PDFs, Bilder und Social-Media-Historie systematisch erfassen.
- Claims gruppieren: Pauschale Umweltbegriffe, Klimaversprechen, Zukunftsziele, Siegelhinweise und Vergleichsaussagen getrennt betrachten.
- Fundstellen priorisieren: Sichtbarkeit, Aktualität, Reichweite und geschäftliche Relevanz bewerten.
- Überarbeitung vorbereiten: Konkrete Alternativtexte, Nachweisbedarf oder Lösch-/Archivierungsentscheidungen notieren.
Für Agenturen ist dieser Prozess auch ein Beratungsprodukt: Nicht „wir prüfen mal Texte“, sondern „wir machen euren öffentlichen Kommunikationsbestand sichtbar und priorisieren die EmpCo-relevanten Fundstellen“.
Was ein Scanner beitragen kann
Der EmpCo Scanner hilft dabei, aus verstreuten Inhalten eine bearbeitbare Liste zu machen. Er sucht nach potenziellen Umwelt- und Nachhaltigkeitsclaims, dokumentiert konkrete Fundstellen und gibt Risikohinweise. Das Ergebnis ersetzt keine Rechtsberatung, spart aber die mühselige Sucharbeit und macht die Abstimmung zwischen Kommunikation, Nachhaltigkeit, Compliance und Kanzlei deutlich effizienter.
Der stärkste Ansatz ist nicht Angstkommunikation. Der saubere Nutzen lautet: alte Botschaften finden, priorisieren, nachweisbar überarbeiten und neue Freigabeprozesse daraus ableiten.
Fazit: Kommunikation braucht eine Fundstellenliste
PR- und Kommunikationsteams können EmpCo nicht allein juristisch lösen. Sie können aber die wichtigste Vorarbeit leisten: sichtbar machen, welche Umweltbotschaften noch öffentlich sind und welche davon zuerst angefasst werden sollten. Genau hier entsteht der praktische Wert einer automatisierten Bestandsaufnahme.
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