Inhalt
1. Claim-Check oder Bestandsaufnahme?2. Wo alte Umweltclaims liegen3. Sinnvolles Vorgehen bis September 20264. Was ein Scanner leisten sollteFazit

Claim-Check oder Bestandsaufnahme?

Viele Unternehmen starten beim Thema EmpCo mit der falschen Frage: „Ist diese eine Formulierung noch erlaubt?“ Das ist wichtig, aber meistens nicht das Hauptproblem. Die größere Aufgabe ist vorher gelagert: Wo wurden über Jahre überhaupt Umwelt- und Nachhaltigkeitsaussagen verwendet?

Ein einzelner Claim-Check bewertet eine konkrete Aussage wie „klimaneutral“, „nachhaltig“ oder „umweltfreundlich“. Eine Bestandsaufnahme durchsucht dagegen den gesamten Kommunikationsbestand: aktuelle Website, alte Unterseiten, PDFs, Bilder, Landingpages, Blogbeiträge und Social-Media-Historie. Erst danach lässt sich sinnvoll priorisieren, welche Aussagen geändert, belegt oder juristisch geprüft werden müssen.

Der praktische Unterschied

Claim-Checks beantworten: „Ist diese Aussage kritisch?“ Eine Bestandsaufnahme beantwortet: „Welche kritischen Aussagen haben wir überhaupt noch live?“ Für Marketingteams ist die zweite Frage meistens dringender.

Wo alte Umweltclaims liegen

Greenwashing-Risiken stehen selten nur auf der Startseite. Gerade Unternehmen mit gewachsenen Websites haben viele ältere Inhalte, die noch indexiert, verlinkt oder als PDF abrufbar sind. Typische Fundstellen sind:

Genau hier entsteht der SEO- und Compliance-Hebel: Wer nur neue Kampagnen prüft, übersieht Altlasten. Wer den Bestand sichtbar macht, kann dagegen systematisch bereinigen und die neue Rechtslage sauber dokumentieren.

Sinnvolles Vorgehen bis September 2026

Ab dem 27. September 2026 gelten die neuen Vorgaben für Umweltwerbung. Unternehmen sollten die verbleibende Zeit nicht in endlosen Abstimmungsrunden über einzelne Wörter verlieren. Besser ist ein dreistufiges Vorgehen:

  1. Inventur: Alle öffentlich erreichbaren Kommunikationsflächen erfassen: Website, PDFs, Bilder, Social Media und ältere Kampagnenseiten.
  2. Priorisierung: Claims nach Risiko, Sichtbarkeit und geschäftlicher Relevanz sortieren. Eine vielbesuchte Produktseite ist dringender als ein altes Archiv-PDF ohne Traffic.
  3. Bearbeitung: Aussagen konkretisieren, Nachweise ergänzen, problematische Begriffe entfernen oder Rechtsberatung für Grenzfälle einholen.
PrüfansatzStärkeSchwäche
Einzelner Claim-CheckSchnelle Bewertung einer konkreten FormulierungFindet keine unbekannten Altlasten
Manuelle Website-PrüfungGut für kleine Websites und finale RechtsprüfungLangsam, fehleranfällig, schwer wiederholbar
Automatisierte BestandsaufnahmeSkalierbar über viele Seiten und FormateErsetzt keine juristische Einzelfallentscheidung

Was ein Scanner leisten sollte

Ein sinnvoller Greenwashing-Scanner sollte nicht nur Keywords zählen. Begriffe wie „nachhaltig“ oder „grün“ sind Hinweise, aber entscheidend ist der Kontext: Worauf bezieht sich die Aussage? Wird sie spezifiziert? Gibt es einen Nachweis? Wird ein Teilaspekt als Gesamtleistung dargestellt?

Der EmpCo Scanner setzt deshalb bei der Bestandsaufnahme an. Er crawlt Websites, analysiert Texte, PDFs und Bilder und dokumentiert konkrete Fundstellen mit Risikohinweisen. Das Ergebnis ist keine Rechtsberatung, aber eine belastbare Arbeitsgrundlage für Marketing, Nachhaltigkeit, Compliance und externe Kanzleien.

Pragmatische Priorität

Erst finden, dann bewerten. Ohne vollständige Fundstellenliste diskutieren Teams sonst über die bekannten Claims — und übersehen genau die alten Inhalte, die später abgemahnt werden können.

Fazit

Der eigentliche Engpass vor September 2026 ist nicht die Bewertung eines einzelnen Claims, sondern die vollständige Sicht auf den Kommunikationsbestand. Unternehmen sollten jetzt klären, welche Umweltclaims noch live sind, wo sie stehen und welche davon zuerst angepasst werden müssen.

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